Gabriel Roth: »Gleichung mit einer Unbekannten«

Roth_Gleichung mit einer UnbekanntenEric Muller gehörte schon in der Schule zu den Nerds, die sich in der Datenwelt wohlfühlen und Computerspiele entwickeln, aber sozial nichts drauf haben.

Anstelle eines Studiums (sein Vater verweigert ihm die finanzielle Unterstützung) gründet er mit einem Freund ein Start-Up: Sie entwickeln ein Programm zur Auswertung von Kundendaten für Online-Shops, welches sie nach wenigen Jahren für viel Geld verkaufen können.

Der nun reich gewordene Eric lernt Maya kennen, eine toughe Journalistin mit viel Feingefühl und großem Interesse an ihren Mitmenschen.

Es entwickelt sich eine innige Liebesbeziehung. Aber Erics Gefühle und seine sozialen Fähigkeiten kommen nach wie vor nicht aus seinem Herzen, sondern aus logischen Schlussfolgerungen, Beobachtungen und Erlerntem. Wie soll er da mit dem Problem von Maya umgehen, dass sie meint, ihr Vater habe sie als Kind missbraucht, sie könne sich aber nicht daran erinnern. Erich geht der Sache nach und trifft sich mit Mayas Vater.

Gabriel Roth ist eine anrührende und spannende Liebesgeschichte gelungen. Er analysiert humorvoll die gestörten Beziehungen zu uns selbst, zu unseren Vätern und Müttern und zu denen, die wir lieben und wirft viele Fragen auf: Wie kann es vollkommenes Vertrauen geben, wenn rationale Zweifel da sind? Ist mehr Verlass auf unser instinktives Gefühl oder auf unseren Verstand? Sehr unterhaltsam, sehr lesenswert!

Gabriel Roth: Gleichung mit einer Unbekannten“, Diogenes Verlag, 2013, 14,90 Euro

Almuth Brenner

Wolfgang Herrndorf ist tot. Wir sind sehr traurig.

Nach dem Erscheinen seines letzten Romans „Sand“ hoffte ich – obwohl seine Krankheit, der Hirntumor, bekannt war – auf weitere Veröffentlichungen, die mich wieder so anrühren und glücklich machen sollten.

Sein Blog „Arbeit und Struktur“ ließ seine Leser weiterhin an seiner wunderbaren Sprache teilhaben, war aber so persönlich, offen und direkt, dass ich mich immer wieder beschämt abwandte, mich als Voyeur fühlte, wie ihn Herrndorf in „Sand“ erwähnt.

Aber dieser Blog machte ihn mir auch so vertraut: Schätzte ich aus seinen Büchern und Romanen den Autoren und seine Figuren, so lernte ich beim Lesen von „Arbeit und Stuktur“ den Menschen Herrndorf kennen und lieben.

Nun hat er seinem Leben und der unheilbaren Krankheit ein Ende gesetzt.

Uns bleiben seine großartigen Bücher.

Almuth Brenner

Brenner bloggt bei Köndgen III – Anna Stothard: Pink Hotel

Mit großem Vergnügen habe ich „Pink Hotel“ gelesen: eine gelungene  Mixtur aus Entwicklungsgeschichte, Liebesroman und Krimi: In London bekommt ein 17-jähriges Mädchen einen Anruf aus Los Angeles, ihre Mutter Lily sei bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Diese Mutter hat sie nie gekannt und so macht sie sich neugierig auf den Weg nach L.A.. Dort gibt es einige Geheimnisse über das Leben und Sterben der schönen, charismatischen Lily zu lüften. Nichts an diesem Buch ist vorhersehbar, es gibt ungewöhnliche Figuren und Handlungsstränge und doch ist alles glaubhaft erzählt. Ein sehr schöner, bildhafter Roman, der Spaß macht. (Almuth Brenner)

Diogenes Verlag AG
August 2012 – kartoniert – 354 Seiten
14,90 €