[Sanja bloggt]: M. Anjelais – Killing Butterflies

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M. Anjelais – Killing Butterflies
Chickenhouse
364 Seiten
ISBN: 978-3-551-52071-5
16,99 €
ab 14 Jahren

Zur Autorin:
M. Anjelais wurde im Jahre 1993 geboren und lebt mit ihrer Familie in Nesco New Jersey. Sie schreibt seit ihrer frühen Kindheit und hat mit ihren Geschichten bereits zahlreiche Preise gewonnen. “Killing Butterflies” ist ihr Debütroman. Sie widmet sich mittlerweile ganz dem Schreiben.

Zum Inhalt: 
Sphinx und Cadence kennen sich seit ihrer Geburt und wachsen fast wie Geschwister auf. Ihre beiden Mütter sind schon seit ihrer Kindheit beste Freundinnen und haben geschworen, dass ihre beiden Kinder später heiraten sollen. Tatsächlich funktioniert der Plan zunächst. Doch bei Cadence werden immer häufiger Stimmungsschwankungen beobachtet. Als er schließlich Sphinx mit einem Messer verletzt, wird der Kontakt der beiden Familien abgebrochen, doch nicht ganz. Cadence und seine Mutter ziehen nach England und fortan telefonieren und schreiben sich die Mütter weiterhin fleissig. Einige Jahre später erhält Cadence eine schwerwiegende Diagnose und möchte Sphinx noch ein letztes Mal sehen…

Meine Meinung:
Das Buch kommt völlig unscheinbar daher, doch die Geschichte hat es wahrlich in sich. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, blieb ich an drei einzelnen kurzen Sätzen hängen und es war um mich geschehen:

Sie öffnet Herzen. Er tötet Schmetterlinge. Sie ist arglos, er gefährlich.
M. Anjelais // Killing Butterflies // Klappentext

Mehr brauchte ich nicht, um zu wissen, dass ich es unbedingt lesen muss. Verrückt, dass wir uns manchmal an so simplen Dingen festkrallen. Jawohl, festkrallen, denn das Buch entwickelt eine erhebliche Sogwirkung. Die Autorin schafft es eine geradezu beklemmende Wirkung zu erzielen. Ich war hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl, Verständnis und Angst.

Die Ich-Erzählerin Sphinx und ihr Freund Cadence wachsen wie Geschwister auf. Er, ein Wunderkind, gut im Zeichnen und mit einem Gespür für die Musik. Alles, was er in die Hand nimmt, scheint ausnahmslos positiv. Sphinx hingegen ist ein gewöhnliches Mädchen, dass wohlbehütet in ihrem Elternhaus aufwächst. Cadence ist für sie immer der strahlende Held. Doch dieses Bild bekommt Risse. An dem Tag, an dem Cadence einen Schmetterling tötet, muss Sphinx erkennen, dass es auch Schattenseiten gibt.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich merkte, etwas konnte so ungewöhnlich sein, dass es defekt war; so anders, dass etwas damit nicht stimmte.
M. Anjelais // Killing Butterflies // Seite 26

Mit der Zeit gibt es immer wieder solche Zwischenfälle. Cadence tötet zwar nie wieder Schmetterlinge, doch beginnt er Sphinx immer wieder und stückchenweise zu verletzen. Er beschimpft und beleidigt sie, zwingt ihr seinen Willen auf. Doch immer wieder kehrt Sphinx zu ihm zurück. Es scheint, als könnte sie nichts erschüttern.
Eines Tages wird Cadence unkontrollierte Wut jedoch so groß, dass er Sphinx mit einem Messer verletzt. Die Wunde muss genäht werden und sie trägt seitdem sein Zeichen. Die Eltern sind geschockt. Cadence Mutter zieht mit ihrem Sohn nach England, doch der Kontakt wird nicht völlig abgeschnitten. Die ehemaligen Schulfreundinnen schreiben sich weiterhin Briefe und telefonieren. Sie berichten sich gegenseitig, wie ihre Kinder aufwachsen und schicken Fotos über den großen Teich. Als Cadence jedoch schwer erkrankt, hat er nur noch eine Bitte: er möchte noch einmal seine Freundin aus Kindertagen wiedersehen. Sphinx steht damit vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens.

Die Geschichte lässt tiefe Spuren zurück. Obwohl sie nicht perfekt ist und es ihr manchmal an Tiefe fehlt, läuft die Autorin an anderer Stelle zur Höchstform auf. Die Entwicklung der beiden Protagonisten ist sehr vielschichtig und kaum in einem Satz zu beschreiben. Es geht vor allem um Abhängigkeit und Manipulation, aber auch um Treue und die Erfüllung von Träumen.

Als Leigh, Cadence Mutter und ihre beste Freundin Sarah in ihrer Kindheit den Plan aushecken, gemeinsam schwanger zu werden und ihre Kinder auch noch heiraten sollen, können sie noch nicht ahnen, wie ihr beider Schicksal und das der Kinder miteinander verwoben sein wird.

Obwohl Sphinx von der geplanten Hochzeit erst erfährt, als sie nach London aufbricht, ist der Plan stets allgegenwärtig. Er bestimmt die komplette Kinderzeit und lässt sie tief im inneren, immer wieder zu Cadence zurückkehren. Die Mütter wollten schließlich, dass die beiden ebenfalls befreundet sind. Doch Cadence eiskalte Augen und das Monster, dass er in sich trägt, ängstigen Sphinx immer mehr. Auch später, als sie in London auf ihren damaligen Jugendfreund trifft, gibt es immer wieder Momente, die sie schier aus der Fassung bringen. Trotzdem lässt sie sich nicht von ihrem Plan abbringen, ihm in der verbleibenden Zeit beizustehen.

Tatsächlich gibt es in der Geschichte, vor allem im zweiten Teil, der in England spielt, immer wieder Momente, die ich nicht nachvollziehen konnte. Es scheint fast so, als wollte Sphinx die Märtyerin spielen, obwohl das natürlich nicht von ihr verlangt wird. Auch Sarah steht dem ganzen Vorhaben skeptisch gegenüber, da sie Angst um ihr Kind hat.

Leigh hingegen klammert sich an jeden Strohhalm, um ihrem Sohn noch einmal Freude bereiten zu können. Die unerschütterliche Mutterliebe, die sie ihm entgegenbringt, scheint über alle seine Unfehlbarkeiten hinwegzusehen. Doch auch Leigh kann am Ende nur tatenlos zusehen, was mit ihrem geliebten Kind passiert.

Sowohl Sphinx und Cadence als auch Leigh und Sarah sind interessant gestrickte Persönlichkeiten. Es gibt hier nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Grau- und vor allem Blautöne. Licht spielt in Bezug auf Cadence eine sehr große Rolle. Cadence, der strahlende Held.

Ich hielt ihn für eine leuchtende, immerzu strahlende Erscheinung. Aber Licht kann auch blenden, es kann dir so hart in die Augen leuchten, dass du nicht merkst, was dahinter ist – und dann erwischt es dich schlagartig, wie ein hinter aufgeblendeten Scheinwerfern verborgenes Auto.
M. Anjelais // Killing Butterflies // Seite 22

 

Fazit:
Ein Buch mit Suchtpotential trotz kleiner Makel. Eine Geschichte, die tief berührt und noch lange nachhallt. Eine Geschichte über Manipulation und das damit untrennbar verbundene Abschütteln von Fesseln der Vergangenheit.

 

 

[Sanja bloggt]: Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße

 

Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße
Eichborn
238 Seiten
ISBN: 978-3-8479-0579-0
18,00 €
ab 16 Jahren

Zum Autor:
Neil Gaiman hat bereits über 20 Bücher geschrieben und ist mit vielen Preisen der Buch- und Comicszene ausgezeichnet worden. Zu seinen Werken zählen u.a. Der Roman “Die Sternenwanderer” und “Coraline”, die auch verfilmt wurden. Er schrieb Drehbücher für “Doctor Who” und “Babylon 5″ und arbeitete bereits mit vielen internationalen Künstlern zusammen, wie “Terry Pratchett” und “Tori Amos”.

Zum Buch:
Ein Mann kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück und erinnert sich an einige Erlebnisse, als er sieben Jahre alt war und Lettie Hempstock und ihre Mutter und Großmutter kennenlernte. Dann geschehen auf einmal merkwürdige Dinge.

Meine Meinung:
Zugegeben, die Handlung lässt sich nicht in viel mehr Worte verpacken, als diese, ohne zu viel zu verraten. Trotzdem ist dieses Buch ein Meisterwerk der Erzählkunst. Neil Gaiman schreibt mit soviel Hingabe und Leidenschaft, dass es fast schmerzt, das Buch mit seinem Protagonisten gehen zu lassen, nachdem es beendet wurde.

Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch.
Neil Gaiman // Der Ozean am Ende der Straße // Einleitung, Seite 7

Dieser Satz, der die Einleitung zu diesem phantastischen Werk liefert, zeigt am Besten, worum es geht: um Phantasie, wahre Freundschaft und den Glauben, Grenzen zu sprengen.

Der Mann, dessen Namen wir nie erfahren, ist der Ich-Erzähler dieser Geschichte. Er kehrt eines Tages an den Ort seiner Kindheit zurück und erinnert sich plötzlich an Dinge, die viele Jahre im verborgenen lagen und nun an die Oberfläche zurückdriften, z.B. an seine Freundschaft zu Lettie Hempstock, die behauptete der Teich hinter ihrem Elternhaus wäre ein Ozean.
Dann trifft er plötzlich auf ihre Mutter und je länger er sich an diesen Ort verliert, desto mehr Erinnerungen kehren zurück.

Eines ist sicher: Dieses Buch kann man nicht in Worte fassen. Es ist wie ein Stück Baiser, das langsam auf der Zunge schmilzt und je intensiver man den Geschmack auskosten möchte, desto schneller verschwindet er. Es ist ein geradezu poetisches Märchen ohne Kitsch und Ritter auf weißen Pferden und doch so viel mehr. Eine Geschichte, die Phantasie und Realität vermischt und Grenzen auswäscht.

Während wir altern, werden wir zu unseren Eltern; wenn man lange genug lebt, sieht man die Gesichter seiner Jugend wieder.
Neil Gaiman // Der Ozean am Ende der Straße // Seite 13

Worum geht es also noch? Es geht um wahre Freundschaft, die Größe zeigt und Flügel verleiht. Freundschaft, die Grenzen überwindet und selbst Ungeheuer in die Knie zwingt. Doch am Ende muss auch der Junge erkennen, dass alles seine Zeit hat.

Ungeheuer gibt es in allen möglichen Größen und Formen. Manche von ihnen sind Dinge, vor denen die Leute Angst haben. Manche von ihnen sind Dinge, die aussehen wie Dinge, vor denen die Leute vor langer Zeit Angst gehabt haben. Manche Ungeheuer sind Dinge, vor denen die Leute Angst haben sollten.
Neil Gaiman // Der Ozean am Ende der Straße // Seite 149

Fest steht: Das Buch ist nicht für jeden Leser geeignet. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, wird man Tausendfach belohnt.

Fazit:
Ein Buch, dass so viel mehr birgt, als ein tolles Cover. Ein Meisterwerk der Erzählkunst, auf dass man sich jedoch einlassen muss.

[Sanja bloggt]: Sally Gardner – Zerbrochener Mond

Sally Gardner – Zerbrochener Mond
Carlsen
277 Seiten
ISBN: 978-3-551-58307-9
16,90 €
ab 14 Jahren

Zur Autorin:
Sally Gardner ist Legasthenikerin und hat dadurch bedingt erst mit 14 Jahren lesen gelernt. Trotzdem wurde sie auf einer Kunstschule angenommen. Sie arbeitete lange Zeit als Bühnenbildnerin und Kostümdesignerin, bevor sie mit dem Schreiben begann. Heute ist sie eine erfolgreiche Jugendbuchautorin und ihre Werke werden in 22 Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt in London.

Zum Buch:
Irgendwo auf dem Planeten Erde, in einer Zeit, nach dem zweiten Weltkrieg: ein totalitäres Regime hat die Macht übernommen und strebt die Weltherrschaft an. Standish Treadwell lebt mit seinem Großvater in Zone 7 bei den Unreinen. Dort werden alle Menschen hingeschickt, die das System stören. Standish gilt als unrein, weil er zwei verschieden farbige Augen hat und ihm die Andersartigkeit buchstäblich ins Gesicht geschrieben steht. Außerdem kann er weder lesen und schreiben und ist daher auch ein Gespött in der Schule. Er wird gemobbt und oft verprügelt.
Eines Tages zieht Hector mit seiner Familie in das Nachbarhaus ein. Sie wurden von Zone 1 in Zone 7 umgesiedelt, weil sein Vater sich weigerte für das Regime zu arbeiten. Standisch und Hector freunden sich an und helfen einander so gut es geht und Standish wird nicht mehr verprügelt.

Und dann gibt es noch Standish mit seiner Phantasie, die wie eine frische Brise durch den Park weht, sieht die Bänke gar nicht, merkt bloß, dass keine Hundescheiße da ist, wo Hundescheiße sein sollte.
Sally Gardner // Zerbrochener Mond // Seite 10

Als das Regime verkündet, eine Rakete auf den Mond schicken zu wollen, träumen Standish und Hector davon, selbst in einer gebastelten Rakete auf den Planeten Juniper zu fliegen. Eines Tages macht Hector eine Entdeckung, von der er seinem Freund nichts erzählen will. Am nächsten Tag ist die gesamte Familie weg und Standish allein.

Ich habe doch gesagt, Tod und Verschwinden sind ein und dasselbe. Beide stinken.
Sally Gardner // Zerbrochener Mond // Seite 66

Plötzlich ist alles wieder so, wie es war, bevor Hector kam. Er wird wieder gemobbt und kann sich niemandem anvertrauen. Dann wird er auch noch von den Ledermantelmännern befragt. Als er selbst eine unglaubliche Entdeckung macht, dämmert Standish langsam das ganze Ausmaß seiner Misere. Er muss handeln oder die Welt ist für immer verloren.

Meine Meinung:
Die Autorin hat hier eine brisante und zeitlose Geschichte erdacht. Zwar wird mit keinem Wort erwähnt, wo die Geschichte spielt, doch die Parallelen zum Naziregime sind überaus präsent: Ledermantelmänner, Strammstehen vor der Flagge des Mutterlandes, Deportationen und die Ausbeutung Andersartiger. Ein Menschenleben zählt hier nicht. Die Erzählung macht deutlich, dass unter anderen Umständen ein solches Szenario durchaus und immer wieder denkbar ist. Gerade das macht die Geschichte so lebendig und traurig zugleich.
Das zweite, große zentrale Thema ist die Mondlandung. Ohne hier zu viel vorwegzunehmen: die Autorin hat sich durchaus mit dem Thema auseinandergesetzt und Fragen, die sich heute noch hunderte von Menschen stellen, gekonnt in Einklang gebracht. Das ist ganz großes Kino!

Standish, der gleichzeitig als Ich-Erzähler fungiert, ist ein ungewöhnlicher Junge, der gegen den Strom schwimmt und sogar das eigene Leben aufs Spiel setzt, um die Welt zu retten. Die Frage ist, wie würde jeder einzelne von uns reagieren? Würden wir nur die eigene Haut retten oder die Welt verändern wollen? Den alles entscheidenden Schritt unternehmen, auch wenn es der Letzte ist?

In Standish reift langsam aber sicher ein Plan heran. Er muss den Menschen die Augen öffnen und den Plan des Regimes vereiteln. Doch wird ihm dies überhaupt gelingen? Ein Kampf gegen Goliath? Leider lässt die Geschichte nicht allzu viel Hoffnung auf ein Happy-End zu.

Das Cover ist ein absoluter eye-catcher und das Buch macht auch ohne Umschlag eine tolle Figur. Im Innenteil gibt es eine weitere Besonderheit. Hier wurde parallel zur Handlung eine weitere kleine Geschichte in Bildern hinzugefügt. Eine Art Daumenkino, nur ohne Daumen. Diese Geschichte in Bildern steht und fällt mit dem Handlungsstrang der Hauptgeschichte. Für mich ein ganz besonderes und einmaliges Leseerlebnis. Ich finde es einfach nur toll, welche Mühe sich manche Autoren und Verlage geben.

Erwähnen sollte ich vielleicht noch die ‘speziellen’ Ausdrücke, die Standish gebraucht: sei es die Blattläuse, die die Mitläufer bzw. Regimetreuen darstellen sollen oder das Land Croca-Cola, in das Standish mit Hector reisen möchte – die Autorin beweist Feingefühl und eine hohe Erzählkunst.

Fazit: 
Eine fiktive Geschichte mit intensiver Sogwirkung in einer düsteren Parallelwelt und der zentralen Frage über die Moral sowie ein Plädoyer für die Andersartigeit. Absolute Leseempfehlung!

 

[Sanja bloggt]: Britta Sabbag – Stolperherz

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Britta Sabbag – Stolperherz
Boje-Verlag
203 Seiten
12,99 €
Empfohlen ab 12 Jahren

Zur Autorin:
Britta Sabbag studierte Sprachwissenschaften, Psychologie und Pädogik und arbeitete anschließend als Personalerin. Nachdem sie ihren Job verlor, entschloss sie sich, dass zu tun, wovon sie schon immer geträumt hat: Schreiben. Gleich ihr erster Roman schlug ein. Später entwickelte sich aus dem Stoff sogar ein Theaterstück. Es folgten zwei weitere Romane sowie ihr erstes Jugendbuch “Stolperherz”.

Zum Buch:
Die 15-jährige Sanny Tabor ist eine richtige Außenseiterin und hat keine Freunde. Das liegt nicht nur an ihrem angeborenen Herzfehler, der ihr Herz manchmal ins Stolpern und sie selbst zu Fall bringt. Ihre übervorsorgliche Mutter lässt sie kaum einen Schritt alleine machen und dann soll Sanny auch noch in den Sommerferien zur Kur für herzkranke Kinder an die Ostsee. Schlimmer kann es gar nicht mehr werden. Doch dann geschieht ein Wunder und sie erhält die Einladung, die Band Crystal und damit ihren Schwarm Greg auf ihrer Sommertour durch Deutschland zu begleiten. Sanny ergreift die Chance, nichtsahnend, dass der Weg ins Ungewisse, nicht nur den Sommer, sondern auch  ihr ganzes Leben für immer verändern wird.

Meine Meinung:
Sanny hat es nicht leicht. Trotz ihres angeborenen Herzfehlers, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als ein ganz normales Mädchen zu sein. Eines, dass lieben und hoffen kann und Beachtung findet.

Letztendlich wünschte sich doch jeder, etwas zu bedeuten. Für irgendwen, irgendwas.
S. 13

Doch sie ergreift diese eine Chance, ihrem alten Leben zu entkommen und lernt in diesem Sommer nicht nur die Liebe kennen, sondern erfährt auch, was es heißt über sich selbst hinauszuwachsen. Sie muss sich gegen Zickenterror und Missgunst behaupten und jeden Tag neue Herausforderungen meistern. Doch da Sanny eben Sanny ist, lässt sie sich nicht unterkriegen und rettet nicht nur einmal die Situation. Am Ende zieht jeder der ungewöhnlichen Truppe seine ganz eigene Erkenntnis aus den Erlebnissen und es gibt natürlich ein Happy End.

Jeder von uns hatte eine verborgene Geschichte, eine, die von Außen nicht sichtbar war. Ich hatte ein kaputtes Herz, das tickte, wie eine Zeitbombe. Im Grunde waren wir alle gleich – jeder von uns hatte Angst vor etwas, vermisste etwas, liebte etwas, hatte schon mal etwas verloren. […] Es sind die Dinge, die man liebt, die einen stark werden lassen. Und die Menschen.
S. 172

“Stolperherz” ist ein Roman, der uns den Alltag schnell vergessen lässt. Man taucht mit Haut und Haar ein in diese Geschichte, vollgestopft mit Erinnerungen an die eigene erste Liebe und Rebellion gegen die Eltern. Er ist süß, aber nicht kitschig, Er ist lebensbejahend und klug. Er ist witzig und mutig und ein großer Spaß; ein Sommer-Roadmovie der Glückseligkeit und doch so viel mehr. Am Ende lächelt man still in sich hinein und wünscht nur eines: noch einmal fünfzehn Jahre alt zu sein und das ganze Leben vor sich zu haben.

Fazit:
Ein starkes Buch, dass in jedes Bücherregal gehört; von jung bis alt, quer durch die Republik. Es geht um die erste Liebe, Herzschmerz, Mut, Erfahrungen sammeln, Grenzen ausloten und um das Über-sich-hinauswachsen.
Es sollte mehr solcher Bücher geben, die uns diesen Seufzer entlocken, der mit den Jahren verblasste und doch noch tief in uns vibriert und ruft: “Der Sommer gehört uns!”.

[Sanja bloggt]: Nina Vogt-Østli – Der Tag wird kommen

Nina Vogt-Østli – Der Tag wird kommen

Coppenrath
240 Seiten
ISBN: 978-3-649-61386-1


Zu der Autorin:

Nina Vogt-Østli wurde im Jahre 1972 geboren und lebt mit ihrer Familie in Oslo. Nach ihrem Studium der Literaturwissenschaft, arbeitete sie viele Jahre als Online-Redakteurin. “Der Tag wird kommen” ist ihr erster Jugendroman, der bereits vor den Attentaten von Anders-Behring Breivik entstand.


Das passiert:

Hans-Petter hat es nicht leicht. Er lebt allein mit seiner Mutter und führt ein sehr zurückgezogenes Leben. Er hat keine Freunde und wird zu dem noch von den Klassenkameraden gemoppt. Er ist das perfekte Opfer: ruhig und introvertiert, begehrt nicht auf. Doch eines Tages beginnt sein Lehrer ausgerechnet eine Beziehung mit seiner Mutter und er erfährt, dass ihn sein Vater niemals wollte. Zeitgleich chattet er mit einem unbekannten Mädchen namens Fera. Sie hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen und ist mysteriös, sondern sie ist auch jemand, dem sich Hans-Petter endlich einmal anvertrauen kann. Und dann geschieht die eine Sache, die sein Leben plötzlich total verändert und sein Blatt zu wenden scheint. Doch ist es das, was er wirklich will?


Meine Meinung:

Zugegeben, ich hatte mir vom Buch anhand des Klappentextes und der Zusammenhänge mit Norwegen etwas völlig anderes erwartet. Trotzdem ist die tatsächliche Handlung keinesfalls schlecht. Im Gegenteil: das Buch regt zum Nachdenken an und bietet genug Zündstoff, um die Frage zu erörtern, ob jemand böse geboren wird oder aufgrund äußerer Einflüsse und Lebensumstände erst böse wird.

Gut und Böse – die Rollen scheinen zunächst klar verteilt: Hans-Petter ist der Gute. Er will einfach nur sein Leben leben und nicht mehr nur das Opfer sein. Andreas hingegeben, ist als Erzfeind und klassischer Raufbold, das genaue Gegenteil. Er sucht sich seine Opfer und schikaniert sie bis an die Grenze. Andreas hat einige Kumpel um sich gescharrt, die seinem Beispiel gern folgen. Selten kommt Hans-Petter glimpflich davon.

Zu Hause flüchtet er sich in seine eigene Welt, schaut Filme mit der Mutter oder zockt sich durch sämtliche Videospiele. Eines Tages erhält er eine Nachricht von der geheimnisvollen Fera, die ihn irgendwie zu kennen scheint. Doch nicht nur das, sie kennt auch Andreas. Woher? Auf die Frage gibt es bis kurz vor Ende keine Antwort. Doch diese kommt dann so gewaltig daher, das sie mich als Leser schier umgehauen hat. Plötzlich wird das eigene Weltbild noch einmal von einer völlig anderen Seite beleuchtet.

Hans-Petter, der es endlich wagt, eine freundschaftliche Beziehung einzugehen, ist von Fera fasziniert und doch hält er sie für irre, denn sie erzählt ihm von einer verheerenden Katastrophe, die beinahe die Menschheit ausgerottet hätte und das sie in der Zukunft lebe. Doch Hans-Petter hat soviel Freude an dem Kontakt, dass ihn die kleine “Macke” nicht davon abhält, weiterhin mit ihr zu chatten.

Wer ist gut, wer ist böse und warum? Das sind die zentralen Fragen, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung ziehen. Doch schlussendlich ist es Fera, die allen eine Nasenlänge voraus ist und Antworten auf Fragen parat hat, die gar nicht gestellt wurden.


Fazit:

Ein packendes Jugendbuch zu einem ernsten Thema, dass man unbedingt gelesen haben muss!
Leider erschien mir der Anfang zu holprig und der Klappentext ist ein wenig irreführend. Trotzdem eine klare Leseempfehlung!

Der Internationale Kindertag steht vor der Tür!

Ein Tag für Kinder – seit mehr als 80 Jahren

Aufgrund der unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklung gab es in Deutschland zwei Kindertage – im Osten den Internationalen Kindertag am 1. Juni und im Westen den Weltkindertag am 20. September. Seit der Wiedervereinigung übernehmen heute auch die alten Bundesländer zunehmend die Tradition am 1. Juni den Kindertag zu feiern.

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Kurz vor dem Internationalen Kindertag am 01. Juni dreht sich bei uns alles um den „Lesenachwuchs“. (Alle Rezensionen aus unserem Katalog „Erlesenes“)

baltscheidMartin Baltscheit / Christine Schwarz
Schon gehört?

Was einem Flamingo alles angedichtet werden kann, wenn er einfach nur auf einem Bein steht und schläft, das ist kaum zu glauben! Der Storch kommt vorbei, grüßt den Flamingo, und als der nicht antwortet (weil er schläft), ist der Storch furchtbar beleidigt. Er glaubt, dass der Flamingo sich für etwas Besseres hält, als hätte er Federn aus Gold und Schuhe aus Lack. Dann kommt die Ente. Der Flamingo erwidert auch ihren Gruß nicht (weil er ja immer noch schläft) – ein neues Gerücht ist geboren. Das geht munter so weiter, bis der Flamingo aufwacht. Aber da ist er gar kein Flamingo mehr! Ein witzig illustriertes Bilderbuch, das die Gerüchteküche humorvoll unter die Lupe nimmt.

BELTZ & GELBERG, ab 5 J., 40 S., durchg. farb. ill., geb., € 13,95

battutÉric Battut
Die drei kleinen Raupen

Drei Raupen bauen sich ein Haus, jede auf ihre Weise: aus Strohhalmen, aus Zweigen und aus einem langen Faden. Als die große, schwarze Amsel vor den Häusern der Raupen auftaucht, können sich die beiden ersten Raupen in den Kokon der dritten retten. Aber die Amsel zieht an dem Faden des Kokons! Zum Glück verheddert sie sich ganz fürchterlich darin und die drei können als Schmetterlinge ganz ungehindert fortfliegen. Battuts Bilder, collagierte, bunte Scherenschnitte, mit schwarzen wie weißen Linien ergänzt, beschränken sich auf das Wesentliche und lassen der Fantasie viel Raum. Ein zauberhaftes Bilderbuch, in dem die Kleinen viel entdecken und das sie immer wieder anschauen werden.
ORELL FÜSSLI, ab 3 J., 32 S., durchg. farb. ill., geb., € 13,95

baumannA.-S. Baumann / A.-L. Boutin
1.000.000.000 Sterne
Eine Zahlen-Reise in die Natur

Die Schlange hat null Beine, bewegt sich aber trotzdem sehr schnell. Genau ein Ei legt der Kaiserpinguin jedes Jahr, zwei Stoßzähne hat der afrikanische Elefant und sechs Beine die Biene, die von Blüte zu Blüte fliegt. Bis zehn helfen uns unsere Finger bei der Vorstellung von Mengen, aber wenn es in die Tausende oder Millionen geht, wird es schwierig. In diesem herrlichen Bilderbuch werden Kinder auf eine Reise durch die Natur und die Zahlenräume von 1 bis 1.000.000.000 eingeladen, zum Entdecken und Mitzählen animiert und an das schwierige Phänomen Zahl herangeführt.
BELTZ & GELBERG, ab 4 J., 48 S., durchg. farb. ill., geb., € 13,95

bougaevaSonja Bougaeva
Wie Frau B. so böse wurde
… und warum sie jetzt wieder nett ist

Alle Kinder fürchten Frau B., selbst die Erwachsenen. Denn sie ist mürrisch und böse. Und auf den Kinderspielplatz geht sie nur, weil sie Kinder dort besser hassen kann. Eines Tages aber sieht sie dort ein Mädchen, das von einem Jungen genauso traktiert wird wie sie in ihrer eigenen Kindheit. Plötzlich geschieht etwas ganz Seltsames: Frau B. beginnt zu weinen … Am nächsten Tag geht sie ganz früh zum Spielplatz und freundet sich mit dem Mädchen an. Sie bauen eine riesige Sandburg, spielen Verstecken und Kaffeekränzchen. Mit einem Mal kann Frau B. sich wieder freuen wie ein glückliches kleines Mädchen. Wunderbare Bilder in einer bezaubernden Geschichte.
ATLANTIS, ab 5 J., 28 S., durchg. farb. ill., geb., € 14,95

freundefindenJane Chapman / Claire Freedman /
Steve Smallman
Das große Buch vom Freundefinden

Es gibt viele Dinge, die der kleine Hase gerne macht: Wettrennen oder mit dem Bruder im Matsch spielen, aber das Schönste auf der Welt ist, mit seinen Freunden zu tuscheln und herumzualbern. Auch die kleine Maus weiß genau, wie toll es ist, gute Freunde zu haben, die ganz schnell da sind, wenn man auf sie wartet. Und selbst wenn das Entenküken Herrn Hases Leben ein bisschen durcheinanderwirbelt, als es wieder bei seiner Mama ist, da fehlt ihm der kleine Freund schon sehr. Drei wunderbare und sehr liebevoll illustrierte Geschichten in einem Band.
LOEWE, ab 3 J., 96 S., durchg. farb. ill. v. J. Chapman u. T. Warnes,
geb., € 12,95

fatioLouise Fatio / Roger Duvoisin
Der Glückliche Löwe

Die Tür zum Gehege des Glücklichen Löwen steht offen und neugierig zieht er los. Bei seinem Spaziergang durch die Stadt wundert er sich sehr. Denn alle Menschen, denen er begegnet, rennen schreiend weg. Mit Geheul rast die Feuerwehr herbei und interessiert beobachtet der Löwe, was passiert. Da kommt der Junge Frank auf ihn zu und begleitet ihn freundlich wie immer zurück in den Park. Zum Glück gibt es beste Freunde! Zum 60. Geburtstag erscheint der von Generationen geliebte Bilderbuchklassiker in einer prachtvollen Leinenausgabe.
KERLE, ab 4 J., 32 S., durchg. farb. ill., Leinen, € 14,99

geislerDagmar Geisler
Wann hab ich eigentlich genug?

Von manchen Dingen kann man gar nicht genug kriegen. Für die einen sind das Süßigkeiten, für andere Fernsehen, Pommes oder Glitzerkettchen. Dass es aber wichtig ist, auch aufhören zu können, das wissen zwar viele Eltern, trotzdem fällt es schwer, Kinder davon zu überzeugen. In diesem herrlich bebilderten, lustigen Buch werden Kinder ganz ohne pädagogischen Zeigefinger mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert, die jeder kennt und nachvollziehen kann und die dafür sensibilisieren, dass „zu viel“ einem ganz schön den Spaß verderben kann.
LOEWE, ab 3 J., 36 S., durchg. farb. ill., geb., € 9,95

grimmSandra Grimm / Susanne Szesny
Minitou
Der große Indianer

Wenn der kleine Indianer Minitou in seinem Tipi schläft, dann träumt er von einem eigenen Pferd. Er hat ihm insgeheim auch schon einen Namen gegeben: schwarzer Blitz. Doch bisher hat er mit seinem Lasso in der weiten Prärie noch kein Wildpferd für sich eingefangen. Deshalb übt er jeden Tag, Spuren zu lesen, sich leise anzuschleichen und das Lasso zu werfen. Denn irgendwann muss sein Traum doch in Erfüllung gehen! Vielleicht kann ja der Medizinmann mit einem Glücksbringer nachhelfen? Oder ist es Minitous Freundin, die ihm Glück bringen wird? Ein liebevoll illustriertes Bilderbuch, zu dem es ergänzend auch noch ein Malbuch und ein Mitmachbuch mit Wissenswertem und Bastelanleitungen gibt.
CARLSEN, ab 4 J., 32 S., durchg. farb. ill., geb., € 14,90

kuhlAnke Kuhl
Höchste Zeit, Herold!

Jeder kennt den Herold: Das ist der Held, der in den Sagen immer die schwersten Prüfungen besteht, gegen Ungeheuer kämpft (und natürlich siegt!) und die Menschen von schlimmen Plagen befreit. Aber unser Herold hat heute Sorgen: Er will nämlich zu seinem Tochterherz Urselchen, die Geburtstag hat. Und auf dem Weg dahin muss er 13 Prüfungen bestehen: Er ist eigentlich schon viel zu spät dran! Am Anfang sind sie ja noch leicht: 42 Maden essen kann ja schließlich jeder, oder? Aber wie soll Herold bloß dem glibberigen Schleimgiganten entgehen? Oder aus dem tiefen Loch rauskommen, in das er gefallen ist? Ob er es noch rechtzeitig zu Urselchens Geburtstag schafft, wird nicht verraten. Aber dass es jede Menge zu lachen gibt, soll ruhig jeder wissen!
KLETT KINDERBUCH, ab 4 J., 40 S., durchg. farb. ill., geb., € 13,95

kuhlmannTorben Kuhlmann
Lindbergh
Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus

Als die neugierige Maus merkt, dass alle ihre Freunde verschwunden sind, will sie auch fort aus Hamburg, am besten nach Amerika. Eines Nachts beobachtet sie Fledermäuse – und hat die zündende Idee! Aus zusammengesuchten Materialien konstruiert sie eine Flugmaschine und startet vom alten Michel aus Richtung Westen. Ob sie wohl ankommt in New York? In wunderbaren Bildern erzählt der Autor, selbst ein Fan kurioser Erfindungen, von dem großen Traum der mutigen kleinen Maus.
NORDSÜD, ab 5 J., 96 S., durchg. farb. ill., geb., € 17,95

langenAnnette Langen / Constanza Droop
Briefe von Felix
Ein kleiner Hase auf Weltreise

Der kleine Stoffhase Felix hat Geburtstag! Schon 20 Jahre ist es her, dass der kleine Kuschelhase seiner besten Freundin Sophie das erste Mal verloren ging. Bevor er wohlbehalten zu ihr zurückkehren konnte, hat er die ganze Welt bereist. Von London und Paris, Rom, New York und den Pyramiden schreibt er nach Hause und erzählt, was ihm unterwegs so alles passiert ist. Jetzt gibt es seine spannenden Erlebnisse und all seine Briefe in einer limitierten Sonderausgabe in besonders hochwertiger Ausführung mit Goldfolie im Schuber.
COPPENRATH, ab 4 J., 40 S., durchg. farb. ill v. Constanza Droop, geb., € 10,-

maerkerBirgit Märker
Kinder-Holzwerkstatt
Erste Holzarbeiten für Kinder ab 5 Jahren

Holz ist ein toller Werkstoff, es lässt sich sägen, schleifen, bemalen und kleben. Ideal, um daraus wunderbare Fantasiewesen, Haustiere, Klangspiele, eine Ritterburg und noch viel mehr zu gestalten. Dieses kreative Bastelbuch stellt die benötigten Werkzeuge vor, leitet in die korrekte Handhabung ein und verweist auf die richtigen Arbeitstechniken. Detaillierte Zeichnungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen sorgen für garantiertes Gelingen beim Basteln und Gestalten der Modelle.
CHRISTOPHORUS, ab 5 J., 96 S., durchg. farb. ill., geb., € 14,99

pautnerNorbert Pautner
Mein Knete-Lexikon
Wilde Tiere

Auf der Suche nach einer lustigen Beschäftigung schon für die Allerkleinsten? Geben Sie Ihren Kindern doch ein paar Päckchen bunter Knete in die Hand. Und siehe da, schon stolzieren Elefant, Löwe, Orang-Utan und viele andere wilde Tiere durch das Kinderzimmer. Nach einer Einführung zum Umgang mit Knete und dem grundsätzlichen Aufbau der Tiere zeigen ausführliche Anleitungen, wie die kleinen Künstler vorgehen müssen. Als besonderes Extra gibt es zu jedem Tier noch eine Seite mit Fotos und Informationen. Ein toller Spaß!
VELBER, ab 3 J., 48 S., durchg. farb. ill., geb., € 9,99

oertelAndrea Schütze / Katrin Oertel
Ganz schön wackelig!
Mitmach-Geschichten vom Balancieren

Ruhig auf einem Bein zu stehen, ist ja schon schwierig genug, dann noch die Augen schließen – und hoppla, wetten, dass da jeder ins Wackeln gerät? In diesem liebevoll illustrierten Bilderbuch finden sich viele lustige Geschichten zum Thema Balance und Gleichgewicht. Da gibt es Elisabeth, die auf einem Baumstamm balanciert, Seiltänzer im Zirkus oder Plitschplatsch, den kleinen Seehund, der so geschickt mit dem Ball umgeht. Das macht nicht nur Spaß beim Lesen und Schauen, sondern auch ganz bestimmt beim Nachmachen und Ausprobieren.
VELBER, ab 3 J., 32 S., durchg. farb. ill., geb., € 9,99

[Sanja bloggt]: Lena Klassen – Wild

Lena Klassen – Wild
Drachenmond-Verlag
381 Seiten
ISBN: 978-3-931989-79-8
14,90 €
Empfohlen ab: 12 Jahren

Zur Autorin:
Lena Klassen, geboren 1971 fing schon früh mit dem Schreiben an. Später studierte sie Literaturwissenschaften und lebt nun mit ihrem Mann und einem Haufen Tieren in einem Haus mit einem großen Garten und schreibt weiter spannende Geschichten. Für Blanvalet schreibt Lena Klassen unter dem Pseudonym “Maja Winter” Fantasy-Romane.

Zum Buch: 
In “Neustadt” lebt die siebzehnjährige Pi zusammen mit ihren Mitschülern und hat nicht nur die Schule im Sinn. Sie beschäftigt vor allem die Frage, welcher Partner ihr für die Zukunft zugeteilt werden soll.
Einmal in der Woche holen sich alle Bewohner der “Neustadt” ihre Glücksinjektion ab. Sie soll das Leben in erträgliche Bahnen lenken. Gefühle, Krankheiten, Kummer und Leid kennt man nicht in “Neustadt”. Auch Blumen, Düfte und sogar die Kinder werden künstlich erzeugt. Doch Pi ist nicht so glücklich wie die anderen und lebt in einer Dunstwolke, die sie nur schemenhaft ihre Umwelt wahrnehmen lässt.

Niemals stellt jemand das System in Frage, und wenn doch, wird er aus dem System isoliert und muss in die Wildnis. Dort, hinter dem Zaun, herrschen noch Krankheit und Tod. Alle, bis auf Pi, sind glücklich mit ihrer Glücksinjektion – doch dann geschieht das Unfassbare: Die Glücksdosis versagt! Pi muss eine Entscheidung treffen: Für das System und gegen ihre Freiheit oder für die eigenen Entscheidungen, aber den sicheren Tod vor Augen. Wie würdest Du Dich entscheiden?

Meine Meinung:
Zunächst hatte ich Probleme in die Geschichte hinein zu tauchen, mich darauf einzulassen. Ich fand die Namen wie “Glücksstadt” und “Neustadt” einfallslos. Doch nach ein paar Seiten verflog das merkwürdige Gefühl, die Geschichte rund um Pi hat einfach Sogwirkung! Am Ende dachte ich sogar: Wow! Wieso stand das Buch eigentlich die ganze Zeit ungelesen im Regal? Das hatte es nicht verdient.

Die Geschichte ist gut konstruiert. Pi, die Ich-Erzählerin, lebt in Neustadt, doch irgendwie fühlt sie sich nicht ganz dazugehörig. Ob es daran liegt, dass die Glücksinjektion bei ihr anders zu wirken scheint? Und was ist mit Lucky, ihrem besten Freund, der nun ihrer besten Freundin Moon – dem perfekten Mädchen – zugeteilt wird? Wer wird Pi zugeteilt, um das Leben mit ihr gemeinsam in Neustadt zu bestreiten bzw. so weit zu erleben, wie es die Glücksinjektion zulässt?

Als Pi mit ihren Klassenkameraden die wöchentliche Glücksinjektion abholen will, bemerkt sie zunächst keinen Unterschied. Doch allmählich schwant ihr, das etwas nicht stimmt. Spätestens als ein Mitschüler vom Dach fällt und alle anderen aufgrund ihrer Glücksinjektion gleichgültig weitermachen, sind sich Pi, Lucky und ein weiteres Mädchen sicher: Die Glücksinjektion hat versagt.

Die drei lernen zum ersten Malen im Leben, die eigenen Gefühle kennen. Sie können nicht verstehen, warum sie davon ferngehalten werden sollen.

“Wilde Gefühle.  Sie lagen in der Luft.  Sie waren stärker als jede Droge.  Sie 
belebten jedes Herz.  Es musste doch zu spüren sein – für alle?” (S. 107)

Was weiter geschieht, bleibt natürlich geheim ;-) Nur soviel sei verraten: Während der erste Teil des Buches in Neustadt spielt, geht es im zweiten Teil hinter den Zaun in die Wildnis. Welche Gefahren dort lauern, erfährt Pi bald am eigenen Leib, doch schwerer wiegt die Frage, ist das System im Unrecht? Wie kommt sie allein zurecht, nach dem sie ihre große Liebe zurücklassen muss?

“Sammle jedes Gefühl, Pi, sagte er.  Jeden Ärger, jede Regung Wut, jedes ehrliche
Lachen.  Für mich.  Nimm alles mit, Pi, für mich.” (S. 233) 

Eigentlich ist dies eine sehr tiefgründige Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Ist das, was uns vorgegaukelt wird, einfach so hinzunehmen oder lohnt es sich aufzustehen und zu kämpfen? Pi jedenfalls will nicht länger in ihrer Dunstglocke leben und nimmt dafür sogar den Tod in Kauf.

Lena Klassen schickt den Leser auf eine atemberaubende Odyssee der Gefühle. Wild und unbezähmbar sind die Gedanken, die in Pi bahnbrechend  hervortreten. Als Leser wird man  hin- und hergezogen und leidet nicht nur einmal, mit der außergewöhnlichen Protagonistin.

Ich kann “Wild” nur wärmstens weiter empfehlen. Ich muss es jedem ans Herz legen, der eine Achterbahn der “wilden” Gefühle bevorzugt und der einfach mal eine etwas andere Geschichte lesen will, die aus dem Einheitsbrei hervorsticht.