90 Jahre Bücher Köndgen – 90 Stunden Nonstop. Das Festprogramm.

Mittwoch, 26.9. bis Samstag, 29.9.12
Feiern Sie mit uns 90 Stunden unser 90. Jubiläum!
»Köndgen Nonstop«
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Im neunzigsten Jahr feiern wir im neunten Monat und zwar 90 Stunden lang, sprich: vom 26.9. um 6:00 Uhr morgens bis zum 29.9. um 24:00 Uhr abends mit einem spannenden Veranstaltungsprogramm und Ladenöffnungszeiten von 8:00 bis 22:00 Uhr.

Die Stiftung Buchkunst präsentiert die »Nacht der schönsten Bücher«

Udo Einenkel kocht »Vegetarische Verführungen«Das magische Baumhaus ist auf Tour.

Nachts in der Buchhandlung »Lesegenuss nach Ladenschluss«

Erstmalig Wortwache@Köndgen

und vieles mehr …

Täglich finden Sie 900 Bücher für 90 Cent auf unseren Außenwagen. Machen Sie ihr Jubiläumsschnäppchen. Testen Sie den Reclam Bücherautomaten. Schauen Sie sich die Ausstellung ungewöhnlicher Buchobjekte in unseren Fenstern an.  Lassen Sie sich durch unsere Jubiläumsveranstaltungen mit Begeisterung und Lesefreude anstecken.

Anmeldung und Kartenreservierungen:
Tel. (0202) 24800-77 | E-Mail: 8nach8@koendgen.de

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Nachts in der Buchhandlung
Lesegenuss nach Ladenschluss
26.9.12 bis 29.9.12

26.9.12:    24:00 – 8:00 Uhr

27.9.12    22:00 – 3:00 Uhr
und        03:00 – 8:00 Uhr

28.9.12    22:00 – 3:00 Uhr
und        03:00 – 8:00 Uhr

Nachts in der Buchhandlung
»Lesegenuss nach Ladenschluss«
Eintritt 9,- | Mindestteilnehmerzahl 9
(inkl. Mitternachtssuppe / bzw. Frühstück)
nur mit Voranmeldung!
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Eine Nacht mit traumhaft guten Seiten: Bücher Köndgen lädt Leseratten und Nachteulen zum Stöbern in der Buchhandlung ein! Wir schließen unser Geschäft ab und Sie ein – natürlich nur, wenn Sie möchten und sich angemeldet haben. Machen Sie es sich mit uns zwischen Bücherstapeln richtig gemütlich.

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Udo Einenkel kocht »Vegetarische Verführungen«

Mittwoch, 26. September 2012, 19:30 Uhr
Live-Kochshow
Udo Einenkel
»Vegetarische Verführungen«
Eintritt frei, um Voranmeldung wird gebeten
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Ursprünglich wollte Udo Einenkel Rockstar werden. Doch dann wechselte er ins kulinarische Showbusiness, brachte statt der Gitarrensaiten den Kochlöffel zum Schwingen und machte sich mit seinem legendären Bio-Restaurant „Abendmahl“ weit über Berlin hinaus einen Namen. Als ausgebildeter Gesundheitsberater, überzeugter Vegetarier und kreativer Foodfotograf bringt er nun eine ganz neue Qualität in die Riege der vegetarischen Kochbücher.

»Vegetarische Verführungen« ist ein Kochbuch für all jene, die Ernährung mit einer ganzheitlichen, nachhaltigen Lebensweise verbinden und dennoch auf Ästhetik und Genuss nicht verzichten möchten. Und echte Qualität – so sieht es Einenkel – muss nicht zwangsläufig mit viel Aufwand verbunden sein. Frei nach dem Credo: »Ein guter Song klingt auch im Kofferradio. Ein gutes Rezept funktioniert auch auf dem Campingherd.«

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Mitternachtslesung aus J.K. Rowling: Ein Plötzlicher Todesfall

Mittwoch, 26. September 2012, 24:00 Uhr
Lesung aus J.K. Rowling,
Ein plötzlicher Todesfall
Martin Hagemeyer
»Rowling Mitternachtslesung«
Eintritt frei, um Voranmeldung wird gebeten
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Die Erwartungshaltung der inzwischen älter gewordenen Pottererstleser auf einen Erwachsenenroman der britischen Autorin ist gewaltig. Außer dem Cover und sechs Sätzen zum Inhalt ist noch nichts durch die Geheimhaltung gedrungen. Angeblich dürfen sogar die Übersetzer das Original nur in einem gesicherten Verlagsraum in London einsehen und keine Unterlagen mit nach draußen nehmen. Im Rahmen von Köndgen Nonstop haben Sie die Chance als allererste das Buch in Augenschein nehmen zu können.
Martin Hagemeyer: Studium der Geschichte, Sprachwissenschaft und Neueren deutschen Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal. Studententheater. Seitdem freier Journalist, Rezensent, Lektor. Schreibt u.a. für coolibri, Wuppertaler Rundschau, musenblätter.de. Tätigkeiten an städtischen Bühnen (Wuppertal, Düsseldorf). Daneben immer auch privates Schreiben, darunter ein Theatermonolog, den er auch selbst aufführte.

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Jörg Degenkolb-Değerli
Wortwache@Köndgen
Lesereihe auf Lesereise

Donnerstag, 27. September 2012, 19:30 Uhr
Jörg Degenkolb-Değerli
Wortwache@köndgen
»Lesereihe auf Lesereise«
Eintritt frei, um Voranmeldung wird gebeten
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Seit Februar 2011 ist sie eine feste Größe in Wuppertals Kleinkunstszene. Wechselnde Autoren lesen wechselnde Texte an wechselnden Orten. Die einzigen Konstanten: Autor und Gastgeber Jörg Degenkolb-Değerli und: beste Unterhaltung. Über zwanzig Autoren waren bereits zu Gast, darunter u.a. der deutsche Meister im Poetry Slam 2010, Patrick Salmen, iTALien-Herausgeber Uwe Becker und sogar Großmeister Piet Klocke. Kneipen und Kleinkunstbühnen sind in der Regel brechend voll, wenn die Wortwache Station macht. 2012 ist sie mit Unterstützung des Wuppertaler Kulturfonds unterwegs; nach zahlreichen Locations gibt es erstmalig einen Halt bei Bücher Köndgen.

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Die Seenotretter
Den Rettern helfen! SRB Wuppertal

Freitag, 28.9. und Samstag, 29.9.12
jeweils 9:00 – 19:00 Uhr
Aktion SRB WUPPERTAL und Besuch
von OB Peter Jung am 28.9. und dem
Shanty Chor Hasslinghausen
Die Seenotretter
»Wuppertaler übernehmen Verantwortung«
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Wuppertaler übernehmen Verantwortung ­– das hat lange Tradition in unserer Stadt. Nachdem es bereits seit 1868 durch das Engagement von Bürgern dieser Stadt die Boote BARMEN und ELBERFELD gab, unterstützt die Wuppertaler Abteilung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wieder dauerhaft Seenotretter an der Ostsee.   Mit ihrer Hilfe sind so viele Spendengelder gesammelt worden, dass das jetzige Seenotrettungsboot (SRB) »BUTT« am 22.9. in Maasholm in »WUPPERTAL« umbenannt wird.
Außer seemännischer Literatur können alle Sammler von Ersttagsstempeln diesen am Stand der DGzRS bekommen und sich dort über die Arbeit der komplett (!) privat finanzierten DGzRS informieren. Der Schirmherr der Aktion Herr Oberbürgermeister Jung wird dazu am 28.9.12 kurz vor 10 Uhr erwartet.

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Stiftung Buchkunst
Die Nacht der schönsten Bücher

Freitag, 28. September 2012, 20:00 Uhr
Die Stiftung Buchkunst präsentiert
Alexandra Sender
»Die Nacht der schönsten Bücher«
Eintritt frei, um Voranmeldung wird gebeten
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Zum 90-jährigen Jubiläum der Buchhandlung Köndgen feiern wir zusammen mit der Stiftung Buchkunst die lange Nacht der schönen Bücher. Die Stiftung Buchkunst zeichnet in ihrem Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« Jahr für Jahr Spitzenleistungen in der Buchgestaltung und -herstellung aus. Der Wettbewerb geht auf das Jahr 1929 zurück und ist damit fast so alt wie Bücher Köndgen. Wir zeigen Ihnen am 28. September 2012 ab 20:00 Uhr die 25 »Schönsten deutschen Bücher 2012«. Alexandra Sender, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, wird den Abend mit einem Special Guest eröffnen, einen Blick hinter die Kulissen des Wettbewerbs gewähren und von der Zukunft des schönen Buches sprechen.

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Nicole Wollschlaeger
Das magische Baumhaus auf Tour

Samstag, 29. September 2012, 14:00 Uhr
Inszenierte Lesung
Nicole wollschlaeger
»Auf den Spuren der Eisbären«
Eintritt frei, um Voranmeldung wird gebeten
ab 6 Jahren, Ort: Bücher Köndgen, Werth 79,
Wuppertal-Barmen

»Das magische Baumhaus« – bei Köndgen magisch in Szene gesetzt! Der Loewe Verlag reist derzeit mit seiner Erfolgsreihe durch Deutschland und macht zu unserem Jubiläum auch in Barmen Station. Auf Kinder ab 6 Jahren wartet eine spannende, interaktive und mit Überraschungen gespickte szenische Lesung, zauberhaft vorgetragen von zwei professionellen SchauspielerInnen. Eine beeindruckende Hintergrundkulisse, der aktive Einsatz von Requisiten und die Einbindung der Kinder in die Gestaltung der Veranstaltung lassen die Geschichten aus dem magischen Baumhaus mitten in der Buchhandlung zum Leben erwachen.

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Annette Langen
Mathilda, Mathilda

Samstag, 29. September 2012,
19:30 Uhr bis ca. 21:30 Uhr
Lesenacht für Mädchen ab 10
Annette Langen
»Mathilda, Mathilda«
Eintritt frei, um Voranmeldung wird gebeten
Kissen und Kuscheltiere dürfen mitgebracht werden!
Ort: Bücher Köndgen, Werth 79, Barmen

Mathilda und die Mädels – beste Freundinnen, erste Liebe und die ungeahnten Vorzüge des Landlebens. Welch Tragödie: Die zwölfjährige Städterin Mathilda muss in ein winziges Dorf namens Krähwinkel ziehen. Bei dem Namen gackern ja die Hühner! Doch zu Mathildas Überraschung ist in Krähwinkel deutlich mehr los als erwartet! Zur Lesung bringt Autorin Annette Langen auch das neueste Manuskript mit und überlegt gemeinsam mit den Mädchen, wie es mit Mats und Mathilda im nächsten Band weitergehen könnte, der erst im Oktober d.J. erscheint. Im Anschluss an die Lesung beantwortet Annette Langen Fragen und signiert Bücher.

Annette Langen (*1967) hatte das Glück, in einer Buchhändlerfamilie mit unzähligen Büchern groß zu werden. Schon als Kind unternahm sie viele Reisen mit ihrer Familie und hatte als Jugendliche zahlreiche Brieffreunde in aller Welt, die sie auch besuchte. So tauchen oft eigene Reiseerinnerungen in den »Felix«-Büchern wieder auf.

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90 Jahre Bücher Köndgen – ein literarischer Spaziergang in Wort und Bild durch eine bewegte Firmengeschichte

Die Entwicklung der Buchhandlung Köndgen von der Gründung bis zum Jubiläumsjahr 2012 ist das Spiegelbild einer ganze Epoche mit all ihren Höhen und Tiefen – wirtschaftlich, politisch und literarisch. Lassen Sie sich von Bücher Köndgen auf eine spannende Zeitreise mitnehmen. Im Jahr der Erstveröffentlichung von Hermann Hesses legendärer Erzählung Siddhartha nimmt die Geschichte ihren Anfang.

 1922 – Neueröffnung in Barmen


Die Chronik der Buchhandlung Köndgen beginnt am 15. Juli 1922, als zwei Elberfelder Buchhändler eine Buchhandlung in Barmen eröffneten: Friedrich Burchard und Otto Hoff, der damalige Inhaber der Baedekerschen Buchhandlung. Heinrich Köndgen übernahm als bisheriger Geschäftsführer der Baedekerschen Buchhandlung nun die Leitung der neuen Barmer Filiale, deren Adresse „Neuer Weg 56“ lautete – die heutige Friedrich-Engels-Allee.

1927 – Heinrich Köndgen Barmen – Buch- und Kunsthandlung

Wenige Jahre später endete die Elberfelder Filialisierung. Heinrich Köndgen führte ab 1927 das Barmer Geschäft auf eigene Rechnung und unter eigenen Namen. Im selben Jahr schrieb Erich Kästner an seinem ersten Buch, Herz auf Taille, – eine Gedichtsammlung, die 1928 veröffentlicht wurde, heute so aktuell ist wie damals und just in diesem Jahr als gebundene Ausgabe neu aufgelegt wird. Die Buchhandlung Köndgen in Barmen florierte und erwarb sich einen ausgezeichneten Ruf. Heinrich Köndgen bemühte sich mit viel Engagement um neue Kunden. Schon 1930 war die Buchhandlung Köndgen als Annoncen-Agentur einem umfassenden Werbedienst angeschlossen und vermittelte weltweit Annoncen in Zeitungen. Herr Köndgen baute einen Kreis von
Stammkunden auf, der seiner Buchhandlung jahrzehntelang die Treue hielt, wie die wenigen aus dieser Zeit erhaltenen Rechnungsdokumente belegen. Kundenservice war damals so selbstverständlich wie heute – so wurden Bücher zur Ansicht geliefert und hübsch gestaltete Lesezeichen verteilt.

Die Kriegsjahre 1939 – 1945

Als zwischen 1939 und 1945 der Krieg seine zerstörerische Wucht entfaltete, wurde auch die Buchhandlung Köndgen  ausgebombt. Nach dem schrecklichen Luftangriff im Frühjahr 1943 gab es keine Chance, die Buchhandlung in Barmen fortzuführen – Geschäfts- und Wohnräume lagen komplett in Trümmern. Im selben Jahr – 1943 – erschien ein Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit: Der kleine Prinz, ein modernes Märchen, das Antoine de Saint-Exupéry im New Yorker Exil schrieb. Heinrich Köndgen und seine Familie verlegten ihren Wohnsitz nach Landeshut in Schlesien. Weit entfernt von allen Bombenangriffen erwarb Heinrich Köndgen im Juli 1943 die Paul Schultze’s Buchhandlung, die er bis zum Juli 1945 besaß. Nach nur zwei Jahren musste er die Buchhandlung aufgeben, weil die russische Front näher rückte und ganz Schlesien von der deutschen Bevölkerung geräumt wurde. Heinrich Köndgens Frau überlebte die Flucht aus Schlesien nicht.

Die Nachkriegsjahre – Neubeginn in Barmen

Der Start nach dem Krieg war schwer. Es fehlte an Allem – vom geeigneten Ladenlokal bis zu neuen Büchern, von Regalen bis zu Nachschlagewerken und vor allem Kapital. Ende 1945 baute Heinrich Köndgen in Wuppertal-Barmen seine Buchhandlung allmählich wieder auf. Er startete in einer Ladengemeinschaft mit dem Teppichhaus Daume auf dem hinteren Werth. 1948 folgte der Umzug in einen eigenen kleinen Laden mit einer Fläche von 40 m2 im wieder neu aufgebauten Berns’schen Hause, Werth 79. Im selben Jahr heiratete Heinrich Köndgen erneut. Seine zweite
Frau, Kläre Köndgen, unterstützte ihren Mann fortan bei der Arbeit in der Buchhandlung.

In diesen schweren Zeiten zwischen 1945 und 1948 erblickte Pippi Langstrumpf in Schweden das Licht der Welt. Etwas später eroberte die freche Heldin aus der Feder der wunderbaren Autorin Astrid Lindgren auch deutsche Kinderherzen.

1954 wurde es wieder Zeit für einen Umzug, als innerhalb des selben Gebäudes eine mit 100 m2 für damalige Verhältnisse stattliche Fläche bezogen werden konnte. Die Anschrift des Ladenlokals lautete nun „Werth 75“, eine Adresse, die lange unverändert bestehen sollte. Eine entscheidende Neuerung belebte seit Beginn der 50er Jahre den Buchhandel in Deutschland: die ersten Taschenbücher – Rowohlt Rotations Romane oder kurz RO-RO-RO. Den Anfang als erster Band der neuen Taschenbuchreihe machte Kleiner Mann- was nun? von Hans Fallada.

1959 – Gerhart Helbig übernimmt die Geschäftsführung


Gegen Ende der 50er Jahre zeichnete sich für Heinrich Köndgen ab, dass niemand aus der Familie die Buchhandlung übernehmen würde. Der Schwiegersohn, auf dem seine Hoffnungen geruht hatten, erkrankte schwer und starb bald darauf. Die vier Töchter hatten kein Interesse daran, das Geschäft weiterzuführen. Er selbst war schon älter und darum suchte er dringend einen Geschäftsführer. So entdeckte der in Köln bei Gonski angestellte Buchhändler Gerhart Helbig 1958 im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel eine interessante Annonce.

In dem Jahr, in dem Boris Pasternak, Autor des kurz zuvor erstmals erschienenen Romans Doktor Schiwago, den Nobelpreis für Literatur erhielt, entschied sich Gerhart Helbig, nach etlichen Gesprächen mit Heinrich Köndgen, die ausgeschriebene Stelle anzunehmen. Ab dem 1. Oktober 1959 taucht in der Firmengeschichte der Name Helbig auf.

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1960 bis 1989

Als Gerhart Helbig 1959 mit seiner Familie von Köln nach Wuppertal zog, um sich der neuen Herausforderung bei Bücher Köndgen zu stellen, herrschte allenthalben Aufbruchstimmung. Zwar hatte das „Wirtschaftswunder“ bereits den Zenit erreicht, die Zeit des rasanten Wachstums näherte sich dem Ende – aber die allgemeine Stimmungslage war optimistisch. Der Sortimentsbuchhandel mit seinem breit gefächerten Angebot traf auf interessierte und kaufwillige Leser. Zugleich stiegen die Ansprüche der Kundschaft an Beratung, Service und Empfehlungen. Gerhart Helbig war ein Mann der Tat: Zunächst als Teilhaber, ab 1976 als alleiniger Inhaber der Buchhandlung Köndgen, gelang es ihm, aus Bücher Köndgen einen lebendigen Treffpunkt für Buchliebhaber zu machen.

Die 60er Jahre – Platz da für mehr Bücher!


In dem Jahr, als Günter Grass mit „Die Blechtrommel den ersten Teil der Danziger Trilogie veröffentlichte, schlugen die Helbigs mit viel Elan das Kapitel Bücher Köndgen auf. Gerhart Helbig übernahm nun die Leitung der Sortimentsbuchhandlung, während Heinrich Köndgen das Antiquariat betreute. Schnell zeigte sich, dass dringend mehr Fläche benötigt wurde. Nicht nur die Verkaufsfläche, sondern auch das Lager und die Räumlichkeiten für die Buchhaltung und Hintergrundarbeiten sollten erweitert werden. Der große Umbau fand im August 1963 statt und brachte wegen der beträchtlichen Raumhöhe von ca. 4,20 m viele Schwierigkeiten mit sich, die es zu meistern galt. Das Ergebnis war ein deutlicher Zugewinn an Fläche. Auch für die erste Taschenbuchecke gab es endlich Platz. Wohl niemand konnte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen, dass die Taschenbücher einmal einen eigenen Laden für sich beanspruchen würden! Überhaupt war damals, in den frühen 60ern, manches anders als heute. Bestellte Bücher wurden teilweise noch zu Fuß zum Kunden gebracht. Später fuhr Gerhart Helbig die Lieferungen innerhalb Wuppertals selbst aus. So lernte er nach eigener Aussage die Stadt kennen! Der „Buchautomat“, der heute in einigen Städten ein Comeback erlebt, war ein modernes Werbemittel und galt als Attraktion. Bücher zu jeder Tages- und Nachtzeit – der Automat machte es möglich! Manches aber ist heute wie damals aktuell, wie beispielsweise die Spiegel-Bestsellerliste, die 1964 erstmals abgedruckt wurde und das Faible für preiswerte Bücher. Gerhart Helbig wagte 1969 eine bis dahin in Wuppertal noch nie da gewesene Aktion: Er kaufte eine große Menge preisreduzierter Titel ein, das sogenannte „Moderne Antiquariat“ und warb dafür mit einer Zeitungsbeilage sowie Sonderschaufenstern. Begeisterte Kunden stürzten sich auf die Titel und machten die erste Aktion dieser Art zu einem Riesenerfolg!

Die 70er Jahre – aus eins mach zwei für alles, was Rang und Namen hat!


Kein neues Jahrzehnt ohne neue Umbauten – wieder platzte die Buchhandlung aus allen Nähten. Die Stadt wuchs und 1972 wurde die Bergische Universität als Gesamthochschule gegründet. Auch das Warenangebot von Bücher Köndgen wurde immer größer – die Zahl der Neuerscheinungen vermehrte sich rasant, Bücherstapel schossen in die Höhe. Hoch gestapelt wurde beispielsweise der neue Bestseller von Johannes Mario SimmelUnd Jimmy ging zum Regenbogen“. Simmel zählte in dieser Dekade zu einem der erfolgreichsten Autoren mit hohen Auflagen. Moderne Erzählungen wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll oder Romane wie das „Heimatmuseum von Siegfried Lenz entstanden ebenfalls in dieser Zeit.


Die Kapazität der Räume am Werth 75 war bis ans Limit ausgeschöpft, als sich 1973 unverhofft eine Lösung abzeichnete: Bücher Köndgen wurde der schräg gegenüberliegende Laden an der Ecke Werth/Rudolf-Herzog-Straße angeboten. Er war wie geschaffen für eine neue Idee – den zusätzlichen Bücher-Basar als Fläche für Taschenbücher und Sonderangebote. Nach Umbau und vielen Stunden des Räumens und Sortierens war es am 15. Oktober 1973 geschafft: der in den topmodernen Farben der 70er braun und gelb eingerichtete Bücher-Basar lockte mit „Phantastischen Eröffnungsangeboten“.

Im Dezember 1976 starb Heinrich Köndgen und Gerhart Helbig übernahm die Firma wie vertraglich vereinbart voll auf seinen Namen. In der Folgezeit wurde es immer wichtiger, Aktivitäten zu entwickeln, damit die Buchhandlung im Gespräch blieb. Die Lesungen und Signierstunden mit hochkarätigen Gästen waren spektakulär: 1977 signierte Max Schmeling sein Buch Erinnerungen
im Bücher-Basar, Peter Ustinov war im Februar 1978 zu Gast und signierte den Memoirenband Ach du meine Güte.

Das Jahrzehnt endete, wie es begonnen hatte: mit einem erneuten Umbau. Der Werth war mittlerweile in eine Fußgängerzone umgewandelt worden, das Hauptgeschäft mit seinem versteckten Eingang sollte von vorn besser sichtbar und leichter zu erreichen sein. Während der langwierigen Umbauphase musste das Geschäft vier Wochen lang geschlossen bleiben, bevor es sich endlich mit schicker gelber Markise in neuem Gewand präsentierte. Bei der Neueröffnung war zur Freude vieler Besucher und Gäste die große Schauspielerin und Autorin Lilli Palmer anwesend, deren dritter Roman „Umarmen hat seine Zeit“ soeben erschienen war.

Die 80er Jahre – keine Atempause, weiter geht’s voran!

Die 80er Jahre sind heute Kult und fast ein Synonym für Popmusik und Neue Deutsche Welle. Die Fehlfarben brachten ihr Debütalbum „Monarchie und Alltag“ heraus, das funkige „Ein Jahr (Es geht voran)“ bringt den Zeitgeist trefflich auf den Punkt. Auch bei Bücher Köndgen ging es Schlag auf Schlag weiter mit guter Literatur, einer Reihe von Aktionen und viel Prominenz. Torwart-Legende Sepp Maier verpasste beinahe seine Signierstunde, erschien dann aber doch noch. Maria Trebens Vorstellung ihres Buches Gesundheit aus der Apotheke Gottesendete 1983 mit einer einstweiligen Verfügung der von einigen Apothekern herbeizitierten Staatsanwaltschaft. Heinrich Harrer, der berühmte Bergsteiger, Tibet-Kenner und Freund des Dalai Lama gab sich 1985 auf Einladung von Bücher Köndgen und dem Teppichhaus Erbslöh die Ehre. Großen Zuspruch fanden auch die Abenteurer, Segler und Weltumsegler, die mehrfach eingeladen wurden: Claus Hehner, Bobby Schenk und Burghard Pieske.

Doch wie sollte es anders sein – weitere Umbaumaßnahmen und Erweiterungen standen an. Zunächst erhielt der Bücher-Basar einen größeren Eingangsbereich und eine übersichtlichere Ladenstruktur. Während der Basar umgestaltet wurde, fand der Verkauf vorübergehend in einer leer stehenden Tankstelle im Beckmannshof statt.

Wie der Zufall so spielt – die Filiale in Schwelm


1986 ergab sich völlig ungeplant bei einem Schaufensterbummel die vorübergehende Anmietung eines Ladenlokals in Schwelm. Ursprünglich sollte dies „Experiment“ nur zwei Monate dauern, aber Familie Helbig hatte die Rechnung ohne ihre Schwelmer Kunden gemacht, die Bücher Köndgen ins Herz geschlossen hatten und gegen eine Schließung protestierten. So suchten sie nach einer bleibenden Lösung – und fanden ein passendes Ladenlokal, das jedoch selbstverständlich aufwendig umgebaut werden musste. 1987 eröffnete Bücher Köndgen die neue Filiale in der Nachbarstadt.


Die 80er Jahre näherten sich ihrem Ende, eine Zeit, in der es noch keinen Newsletter gab, der per Mausklick den Kunden auf den Bildschirm flatterte. Stattdessen verschickte Gerhart Helbig an interessierte Kunden maschinengeschriebene Bücher-Briefe mit handverlesenen Empfehlungen. Die nächste Generation der Familie Helbig – Sohn Thomas und Tochter Bettina – hatten sich nach Ausbildung und Studium entschlossen, in die Firma einzutreten, was ganz neue Perspektiven eröffnete. Und obwohl Gerhart und Brigitte Helbig nach den beschwerlichen Großbaustellen der vergangenen Jahrzehnte „nie wieder“ umbauen wollten, konnten sie diesem Vorsatz nicht lange treu bleiben. So endet dieses Jahrzehnt mit dem Ausblick auf entscheidende Wagnisse und Veränderungen, die notwendig waren, um mit der rasanten Entwicklung des Buchhandels Schritt zu halten.

1990 bis 2010


In den Neunzigern herrschte Aufbruchsstimmung im Deutschen Buchhandel. Die Wiedervereinigung erzeugte rege Nachfrage, die jährlich produzierte Titelanzahl wuchs und wuchs, sodass immer größere Flächen zur Präsentation der neuen Bücher notwendig wurden. Zudem begannen die Filialisten, den Buchhandel zu entdecken. Ein Wettrennen um großzügige Einzelhandelsflächen setze ein. So wurde nach der Eröffnung der Schwelmer Filiale zunächst der Werth 86 in Barmen vergrößert. Seit der Zeit gibt es für die kleinen Kunden auch die beliebte Kinderschwebebahn bei Köndgen.

Die 90er Jahre – Bücher Köndgen in Elberfeld

Während die Eröffnung in Schwelm 1987 u. a. noch mit handkopierten Flugblättern bekannt gegeben wurde, hielt aufgrund der großen Datenmengen von mehreren Hunderttausend lieferbaren Büchern nun die EDV bei Köndgen Einzug. Noch heute wird das mit der Eröffnung der großen Filiale in Elberfeld 1995 eingeführte geschlossene Warenwirtschaftssystem genutzt, das den Service gegenüber den Kunden und die Geschwindigkeit der Besorgung nochmals deutlich steigert.


Nach gut zweijähriger Vorplanung eröffnete Köndgen am 05.10.1995 in den sog. Friedricharkaden eine rein ebenerdige, über 1.000 qm große Buchhandlung – ein Novum in Wuppertal. In den zwölf Jahren Ihres Bestehens in Elberfeld haben dort unzählige Veranstaltungen stattgefunden, zunächst unter dem Namen „7 nach 7“, später nach Änderung der Öffnungszeiten unter dem heutigen Namen „8 nach 8“. Den Auftakt vor mit gut 300 Gästen völlig ausverkauften Haus machte Hera Lind mit Ihrem Roman „Die Zauberfrau“. Den vielen weiteren Veranstaltungen widmen wir uns auf Sonderseiten in Heft 4 des Köndgen Magazins, ebenso wie dem Bestseller undPhänomen dieser aufregenden Jahre: Harry Potter.

Start ins neue Jahrtausend – auf zu neuen Ufern in Barmen


Zur Jahrtausendwende überschlugen sich dann die Entwicklungen. Aus der Übernahme der Büchertheke an der Uni wurde eine kleine aber feine Fachbuchhandlung, die bis heute Studierende mit Fachliteratur aller Richtungen versorgt, aber auch ausgesuchte Lektüre zur Entspannung vom Lernen vorrätig hat.

Als in Schwelm das Nachbarladenlokal frei wurde, begann (bei laufendem Betrieb!) die Verbindung der beiden Fachwerkhäuser inklusive Verlegung des Treppenhauses. Im Herbst 2001 konnte auf den heutigen großzügigen Flächen Eröffnung gefeiert werden. Zugleich übernahm Köndgen die Altstadtbuchhandlung, in der übergangsweise der Spieleladen „Spielzauber“ eingerichtet wurde.


Parallel endete in Barmen die jahrzehntelange Suche nach einer größeren Fläche, denn das Ladenlokal Berns wurde frei. Nachdem die Buchhandlung dort schon um 1945 kurz auf kleiner Fläche beheimatet war, standen ihr jetzt zwei riesengroße Etagen zur Verfügung. Nach einem aufwendigen Umbau mit vielen unerwarteten Überraschungen schien der Standort Barmen mit der Eröffnung am 28.06.2001 gesichert zu sein. Die Barmer waren begeistert, die größte Buchhandlung im Bergischen Land in „ihrem“ Stadtteil zu haben.

Buchhandel ist stetiger Wandel – Köndgen heute

Mit der Euroumstellung 2002 kippte die positive Stimmung. Obwohl Bücher in Deutschland feste Ladenpreise haben und im Dorf genauso teuer sind wie in der Großstadt oder wie im Internet, trug die generell gefühlte Teuerung bei der Euroumstellung zu einer Kaufzurückhaltung bei. Diese führte so kurz nach den gewaltigen Anstrengungen, die Buchhandlung zukunftssicher aufzustellen, zu Problemen. In der Folge zog die Buchhandlung von den Friedricharkaden auf eine kleinere Fläche in die Rathaus Galerie um. Als sich 2007 gleich zwei Großfilialisten mit aller Macht in Elberfeld etablieren wollten, wurde die Buchhandlung an einen der Filialisten verkauft. Kaum hatte sich Köndgen dann in Barmen neu aufgestellt, wollten auch dort die Großfilialisten unbedingt präsent sein und eröffneten in direkter Nachbarschaft am Werth ebenfalls ein großes Ladenlokal.

Inzwischen hat sich der Buchhandel insbesondere durchs Internet deutlich verändert. Die damit einhergehenden Anstrengungen, uns durch persönliche Ansprache, durch besseren Service, durch besser ausgebildete Mitarbeiter und durch kreative Ideen im Wettbewerb zu behaupten, lassen uns auch im 90. Jahr keinen Platz für ein gemütliches Rentnerdasein. Wie auch schon im letzten Jahrtausend, als die Bücher mit Radio, Fernsehen, Video, CD etc. konfrontiert wurden, befinden wir uns erneut mitten im spannenden Medienumbruch. Wir verkaufen inzwischen nicht nur gebundene Bücher, sondern auch eBooks und eBook Reader, sind auf facebook aktiv und bloggen Neuigkeiten aus der Welt des Lesens.


Die Begeisterung fürs Buch, fürs Lesen und für die tollen Momente, die jedes Buch zu einem Geschenk für uns selbst oder andere machen, ist ungebrochen. Wir werden weiterhin alles daran setzen, Sie als unsere Kundinnen und Kunden zu begeistern und zu überraschen.

 

 

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