»Schoßgebete«, der neue Roman von Charlotte Roche

Wer geglaubt hat, sie könne nur provozieren, aber nicht schreiben, wird staunen. Ihre Heldin liefert sich beim Leser zur Therapie ein.
Es geht immer um Leben und Tod
Charlotte Roche wahrt die Balance zwischen Verbergen und Enthüllen, Künstlichkeit und Komik bis zum Schluss. Es ist bisweilen ein kalkuliert kokettes Spiel mit der eigenen Pathologie, etwa wenn sie sich den Tod ihres Stiefsohnes, ihres Mannes oder gar ihrer eigenen Tochter vorstellt: „Ich kenne das ja, wie das ist, wenn einem was Schreckliches zustößt, wenn einen ein schlimmer Schicksalsschlag heimsucht. Und wie schön das ist, die Aufmerksamkeit, die man dann bekommt, das Mitleid, darin kann man sich schön einkuscheln. Ich glaube, diese unnatürliche Aufmerksamkeit aller Menschen mit ihrer Betroffenheit in den Augen kann wirklich süchtig machen.“
Der Unfalltod ihrer Geschwister, das wahre Ereignis, verleiht dem Roman eine Dringlichkeit und eine Wucht, denen man sich nicht entziehen kann. Es geht in diesem Buch, abgesehen von vielem anderen, immer um Leben und Tod. Aber ist ein Roman, dessen Autorin es außerordentlich geschickt versteht, an den Knöpfen der menschlichen Psyche zu drehen, Angst, Unsicherheit, Selbstzweifel, Neurosen und Lust packend und intelligent zu thematisieren, schon Literatur, gar große? „Schoßgebete“ will keine stilistische Meisterleistung sein, sondern seine Leser erreichen. Dass die Anliegen des Romans mit entwaffnender Einfachheit vorgetragen werden, sollte niemanden über deren Komplexität und Relevanz hinwegtäuschen. Charlotte Roche hat ein Buch geschrieben, das uns weit über die Lektüre hinaus bewegt und beschäftigt. Das lässt sich von manch einem literarischen Meisterwerk nicht sagen. ( aus „Kommt alle zu mir auf die Couch“ von Felicitas von Lovenberg, FAZ.Net)
Text: F.A.Z.
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